Babel

 

Melodie

Komm, Heilger Geist, der Leben schafft

(GL 241)

 

oder: Musik

 

Es war ein Rest vom Paradies,

den ihnen Gott aus Gnade ließ.

In jeder Silbe, jedem Satz

lag seine Wahrheit wie ein Schatz.

 

Die Sprache hatte Sinn und Kraft,

war erdenschwer und zauberhaft,

umschließend wie die Atemluft

und lebensfrisch wie Frühlingsduft.

 

Dann aber überkam sie jäh

der Drang nach Macht, die Turmidee.

„Wir schaffen eine Welt wie du

und brauchen keinen Gott dazu!“

 

Da wurden ihre Wörter krumm,

sie drehten sich im Munde um

durch Eifersucht und Eitelkeit,

Verstellungskunst und Geltungsneid.

 

Das Band der einen Wahrheit brach.

Ihr Tadel schlug. Ihr Lob bestach.

Und wie ein fernes Märchen klingt

das Lied, das von Verstehen singt.

 

© Peter Gerloff

 

 

 

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