Nachtlied

 

Melodie

„Lasst uns loben“

(GL 637)

 

oder: Musik

 

Abendschwärze dringt nach innen,

lässt die Form der Welt zerrinnen.

Mit den Schatten wächst die Nacht.

Stimmen lärmen, Lampen blenden,

um das Grauen abzuwenden,

das am Grund der Seele wacht.

 

Sag uns, Finsternis, die Namen,

Nacht, erzähle von den Dramen,

die dein Leichentuch verhüllt!

Offenbare uns die Qualen,

die für Erdenglück bezahlen,

und den Schmerz, den niemand stillt.

 

Nimm uns mit in jenes Schweigen,

wo sich Todesboten zeigen,

bis das Kreuz ihr Nein verneint.

Führ uns ein in jene Tiefen,

wo der Gott, nach dem wir riefen,

sich mit unsrer Not vereint.

 

Herr der Nächte, Herr der Tage,

wecke Jubel aus der Klage,

wenn dein Glanz die Schatten bricht!

Die jetzt schlafen, die jetzt wachen,

die jetzt weinen, die jetzt lachen –

sei bei Tag und Nacht ihr Licht.

 

© Peter Gerloff

 

 

 

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