Titanic

(„Von guten Mächten“ (Grahl))

 

Es war zu spät, das schwere Schiff zu träge, 

die Schicksalsroute unabänderlich.
Wie Felsen stand das Hindernis im Wege
und keine Rettungschance zeigte sich.

Die meisten Passagiere aber lachten,
sie tranken Sekt und tanzten unbeschwert,
und andre schliefen sorglos, weil sie dachten:
„Die Mannschaft, die uns steuert, ist bewährt.“

Ein paar jedoch, nur einzelne, begriffen
und riefen es verzweifelt in den Saal:
„Eisberg voraus! Wir müssen ihn umschiffen,
sonst endet unsre Fahrt katastrophal!“

Für diese war der Festgenuss vorüber;
als Spielverderber traf sie blanker Hass.
Und mancher unter ihnen dachte: „Lieber
verschweig ich, was ich weiß, und habe Spaß.

Ich kann, was uns bevorsteht, nicht mehr ändern.
Wofür mach ich mir selbst das Leben schwer?
Wir werden doch zuletzt gemeinsam kentern,
und sie und mich verschlingt dasselbe Meer.“

Doch andre: „Nein! Es bleibt ein Hoffnungsschimmer.
Und hat nicht Wahrheit in sich selber Wert?
Wird nicht mit jedem Wahrheitszeugnis immer
der Eine, der die Wahrheit ist, verehrt?“