Am
Jakobsbrunnen
oder
„Dieser Tag ist Christus eigen“)
Sonnenglut
und Hitze lasten.
Durstig finden zwei sich ein,
um zu schöpfen, um zu rasten,
um am Brunnen Gast zu sein,
Mann und Frau. Sie trennen Sitte,
Herkunft, Mundart, Glaubensbrauch.
Doch
es weht in ihrer Mitte
Wunder wirkend Gottes Hauch.
Doch verlangt der Lebensspender
Wasser, das den Körper kühlt.
Doch gewährt der Weltvollender
seine Wahrheit unverhüllt.
Die Verführungsmacht der Triebe
wird benannt und eingedämmt,
grenzenloser Durst nach Liebe
wird von Liebe überschwemmt.
„Sieh, aus Juda kommt Erlösung,
die der ganzen Menschheit gilt;
sieh den Arzt und fühl Genesung,
wenn er dein Verlangen stillt.
Lebenswasser darfst du schöpfen,
das der Jakobserbe gibt,
nicht verschmutzt aus Erdentöpfen,
klar aus Gott, der strömend liebt.“